TatenDrang e.V. ist ein 2011 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gegründeter, gemeinnütziger Verein, der Bildung für nachhaltige Entwicklung auf methodisch vielfältige Weise durch pädagogische Projekte, Lehrgänge, Tagungen und Workshops fördert.
Der Grund: Die Brundtland-Kommission (WCED) 1987 stellte fest: Eine unveränderte Fortsetzung der bisherigen industriegesellschaftlichen Lebens- und Wirtschaftsweise wird in Zukunft zu einer dramatischen Zunahme von ökologischen Risiken, ökonomischen Disparitäten und sozialer Ungerechtigkeit führen. Benötigt wird eine der Zukunft zugewandte und für Veränderungen offene Sichtweise, die durch das Zusammendenken von Ökologie, Ökonomie und Sozialem geprägt ist.
Unsere Grundlage: Am 20. Dezember 2002 beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen auf Empfehlung des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg, für die Jahre 2005 bis 2014 eine Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung„ auszurufen. Ihr Ziel ist es, durch Bildungsmaßnahmen zur Umsetzung der in Rio beschlossenen und in Johannesburg bekräftigten Agenda 21, Kapitel 36, beizutragen und die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern.
Unser Anspruch: Jeder Lerngegenstand hat Bezüge zur nachhaltigen Entwicklung. Diese Bezüge herauszuarbeiten und offen zu legen, bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung zu fördern. Unser Anspruch ist es, bei der Förderung von Bildung für nachhaltige Entwicklung den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer beispielhaften Veranstaltungen Möglichkeiten der Partizipation zu bieten. Das erfordert
- Offenheit für die Gestaltung der Veranstaltungsstrukturen,
- Offenheit in der Wahl der gewünschten Lerngegenstände,
- persönlichen Umgang auf Augenhöhe im Team und mit den Teilnehmenden und
- Betonung der individuellen Ressourcen der Teilnehmenden.
Unser Ansatz für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung
Wir möchten die Möglichkeit geben, sich mit den Herausforderungen unserer Zukunft auseinander zu setzen. Diese Möglichkeit bedeutet uns aber mehr, als eine Aufklärung über globale Zusammenhänge und die bestehenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme der Menschheit und die (theoretische) Vermittlung von Kompetenzen. Der Prozess der Umweltbildung zeigt, dass durch Aufklärung und die Aufforderung zum Verzicht sehr wenig Menschen dazu motiviert sind, sich im Sinne von Nachhaltigkeit zu verhalten; besonders dann nicht, wenn ihre Bedürfnisse dadurch Gefahr laufen, nicht mehr zur Geltung zu kommen.
Bedürfnisgerechtigkeit: Anstelle einer Verzichtserklärung versuchen wir ein Konzept, indem die individuellen Bedürfnisse jedes Menschen gelebt werden können. Wir greifen dabei auf Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ zurück, indem der Schriftsteller ein anderes (poetisches) Konzept verfolgt, dass sich als ethische Dimension in seinem Spätwerk wiederspiegelt: „Entsagung“ meint bei Goethe nicht ein Postulat, dass die Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen verweigert, sondern beschreibt die Fähigkeit, sich mit der eigenen Individualität in eine Gemeinschaft einzuordnen. Damit verbunden sind der Respekt für Vielfalt und die Anerkennung sozialer Notwendigkeiten in diesem gemeinschaftlichen Prozess. Anstelle eines Bremsens der Kreativität und der Motivation durch Verzichtsgebote setzen wir an dieser Frage an: was brauchst Du wirklich? Wir möchten in einen gemeinschaftlichen Prozess einsteigen, der dazu führt, dass Menschen ihre Bedürfnisse (nach z.B. glücklich sein) leben können, ohne dabei die Bedürfnisse anderer zu gefährden. Ausgehend von unseren Wünschen und Bedürfnissen möchten wir den Raum für jeden interessierten Menschen geben, sich in vielfältigen Projekten und Aktionen auszuprobieren und die zur Verwirklichung einer nachhaltigen Lebensweise notwendigen Kompetenzen aus der eigenen Erfahrung heraus zu gestalten und kennen zu lernen. Das lässt sich an zwei Fragen zeigen:
- Was möchtest Du wirklich gerne tun?
- Was brauchst Du dazu?
Partizipation: Unser Verein hat, wie alle Vereine, einen Vorstand. Somit sind hierarchische Strukturen geschaffen, die wir aber nicht als Prinzip in unserer inhaltlichen Arbeit verwenden möchten. Denn wir arbeiten nach zwei Prinzipien: Zum einen gilt bei uns das „Gesetz der zwei Füße“ (nach Harrison Owens): Jeder Mensch, der sich bei uns einbringt, kann dies so tun, wie es für ihn richtig ist. Es besteht keine Verpflichtung, wir setzen auf Freiwilligkeit und lassen offen, was im Arbeitsprozess passiert. Zum anderen möchten wir eine Arbeit auf Augenhöhe, sodass Entscheidungsprozesse offengelegt und gemeinsam getragen werden. Darüber hinaus versuchen wir, unsere Arbeit nach außen zu tragen und andere interessierte Organisationen, Vereine und Bildungseinrichtungen daran teilhaben und mitmischen zu lassen. Wichtig ist uns die Visionsorientierung, die über Fantasie und Kreativität ein aktives Handeln möglich machen kann. Die Perspektive führt zu der Frage: Wie soll die Zukunft aussehen, wie stelle ich sie mir vor? und hat weniger den Fokus auf den Verzicht.
Vernetzung: Da wir auf einen gemeinsamen Prozess setzen, ist es sehr wichtig für uns, mit anderen Initiativen und Projekten in Kontakt zu sein, um Bildung für nachhaltige Entwicklung für eine Gesellschaft sichtbar und interessant zu machen. Durch den Ideenmarkt zur nachhaltigen Stadtentwicklung, unser erstes großes Projekt, gibt es Kontakt zu einigen anderen Initiatoren in Kiel und darüber hinaus, die mit uns gemeinsam ein schönes Zukunftsfest auf dem Ideenmarkt gestaltet haben und mit denen wir weiter zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich ein Netzwerk, dass wir in jedem Fall noch erweitern und ausbauen wollen. Darüber hinaus ist es eine Vertrauenskultur, in jeder einzelne von uns sich frei bewegen kann, die Handlungsräume schafft. Diese Handlungsräume sind notwendiger Teil für die Gestaltung eines gemeinsamen Arbeitsprozesses.